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Schon beim Betreten des Hauses der Familie König stelle ich fest, dass hier eine leidenschaftliche Sammlerin lebt. Im Eingangsbereich im Flur stehen verschiedene Vasen und Töpfe sowie ein altes Stövchen. Das ist aber noch längst nicht alles. Als Ingrid König mich ins Esszimmer führt, bietet sich mir ein langer Tisch, auf dem sie die verschiedensten Sammelgegenstände arrangiert hat und auch im Laufe unseres Gesprächs finden sich immer neue Objekte. Egal, welche Schublade geöffnet wird – in jeder verbirgt sich ein besonderes Sammelstück…
Auf meine Frage „Was sammeln Sie?“ eine Antwort zu bekommen, ist angesichts dieser Vielfalt gar nicht so einfach. Was jedoch all diese Objekte verbindet ist der Bezug zu Ingrid Königs Heimatort Burgsteinfurt.
Das Herzstück ihrer Sammlung bilden historische Postkarten mit diversen Motiven, vornehmlich aus Burgsteinfurt und Borghorst. Aber auch vom Haus Welbergen in Ochtrup oder dem Haus Loreto in Leer sind Aufnahmen dabei. So ist die Sammlung mittlerweile auf eine beachtliche Zahl von schätzungsweise 1.000 Postkarten angewachsen. Um einen Eindruck von den weiteren Sammelgegenständen zu bekommen, sei hier eine Auswahl aufgelistet: einige Zigarren- und Tabakdosen der 1961 geschlossenen Tabakfabrik Rotmann, ein alter Senftopf der Firma Röttgering, eine Flagge des Fußballvereins Burgsteinfurt, einige alte Bierdeckel und ein Tischaufsteller der Firma Rolinck, alte Lesefibeln aus Frau Königs Kindheit und Schulzeit, aber auch Totenzettel, die beispielsweise für die Ahnenforschung interessant sind.
Die Sammelleidenschaft fing vor etwa 25 Jahren an: Vom Haushaltswarengeschäft Veltrup konnte Ingrid König 50 alte Postkarten erwerben, nachdem sie versprochen hatte, dass diese Steinfurt erhalten bleiben. Die Faszination für die Karten ist ihr geblieben, denn es tauchen noch immer seltene oder vorher unbekannte Motive auf.
Mit den Postkarten stieg die Begeisterung für die Ortsgeschichte Burgsteinfurts, sodass inzwischen auch viele historische Gegenstände mit örtlichem Bezug in Frau Königs Besitz gelangt sind.
Über das Sammeln von Totenzetteln ist sie außerdem zu ihrem anderen großen Hobby, der Ahnenforschung, gekommen. Bis heute ist sie in diesem Gebiet sehr aktiv und konnte im Laufe der Jahre nicht nur einiges über ihre eigene Familie in Erfahrung bringen, sondern auch viel Vermittlungs- und Forschungsarbeit für andere Menschen leisten. So erzählt sie mir beispielsweise von einer jüdischen Familie, die dank ihrer Hilfe wieder zusammengeführt werden konnte und zu der bis heute Kontakt besteht.
Neue außergewöhnliche Sammlerstücke ausfindig machen – das ist Ingrid König eine besondere Freude und es gelingt unter anderem durch die vielen Kontakte, die sie im Laufe der Jahre durch ihre Sammelleidenschaft und Ahnenforschung aufgebaut und gepflegt hat. Regelmäßig werden Stücke untereinander getauscht, vermittelt und verliehen, sodass viele Menschen an der Geschichte Steinfurts teilhaben können. Besuche aus dem Ausland, konkret aus den USA und den Niederlanden, sind ihr dabei besonders in Erinnerung geblieben.
Auch auf Flohmärkten und Haushaltsauflösungen bietet sich die Möglichkeit, auf spannende Objekte zu stoßen. Den besonderen Sammelreiz machen dabei nicht zuletzt die Geschichten aus, die mit den Sammelstücken verbunden sind und oft im Gespräch mit Angehörigen ans Licht kommen.
Bei der Vielzahl ihrer Sammelobjekte ein Lieblingsstück ausfindig zu machen, ist eine Herausforderung. Dennoch findet Frau König in ihrer Auswahl einige Objekte, die ihr neben ihrer Postkartensammlung besonders am Herzen liegen. Darunter befinden sich eine Sammeltasse mit einem „Gruss aus Burgsteinfurt“, ein blaues Glashuhn von ihrer Oma sowie eine Tabakdose der Firma Rotmann, welche aus dem Besitz ihrer Eltern stammt.
Zu beinahe jedem ihrer Objekte kann Ingrid König eine interessante Geschichte oder Anekdote erzählen. Egal, ob von den Vorbesitzern übermittelt oder durch eigene Recherche herausgefunden – sie erinnert sich an viele Details und weiß von fast allen Gegenständen, woher sie sie hat.
Die Begeisterung, die Frau König für ihre Sammlung und den Ort Burgsteinfurt zeigt, ist ansteckend. Ihre Erzählungen vermitteln, wie wichtig es ist, die Geschichte und Geschichten nicht zu vergessen und welche spannenden Informationen sich hinter den Sammelobjekten verbergen. Ihr besonderes Engagement auf diesem Gebiet finde ich bemerkenswert.
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