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Seit etwa 20 Jahren sammelt Christian Horstmann historische Fahrräder. Der Sammelzeitraum liegt dabei grob zwischen 1900 und 1950. Seine Sammlung schränkt er dabei jedoch ein – statt sie stetig zu erweitern, tauscht er die einzelnen Fahrräder regelmäßig durch andere aus. Neben den Fahrrädern umfasst die Sammlung einige Klein- und Zubehörteile, die er in Vitrinen ausstellt. Obwohl sich seine Sammlung größtenteils auf das Sammelgebiet Deutschland konzentriert, sind auch Räder aus der weltweiten Sammelszene dabei.
Was als berufliche Zweitausbildung begann, entwickelte sich für Christian Horstmann zu einem spannenden Hobby. Während seiner Gesellenausbildung als Zweiradmechaniker entdeckte er sein Interesse für alte Fahrräder – eine Faszination, die ihn bis heute begleitet. Seit mittlerweile 20 Jahren sammelt er historische Räder und hat inzwischen einiges über deren Geschichte und Technik gelernt.
Sein erstes „Bastelstück“ war ursprünglich nur ein Rahmen, den er mit verschiedenen Teilen vervollständigte, um damit fahren zu können. Doch da es sich nicht um ein originales Modell handelte, gab er es bald wieder ab. Sein erstes richtiges Sammlerstück war ein Panther-Damenrad von 1961 – ein Fahrrad, an das er sich trotz des späteren Weiterverkaufs noch gut erinnert.
Im Laufe der Zeit ist er verschiedenen Sammlervereinen beigetreten, beispielsweise dem Verein „Historische Fahrräder e.V.“, der mit etwa 900 Mitgliedern weltweit aktiv ist.
Die Kontakte und Freundschaften, die Herr Horstmann über die Jahre aufgebaut hat, machen einen großen Teil des Sammelreizes aus.
„Ich habe unglaublich viele Menschen kennengelernt“
Weltweite Bekanntschaften mit Sammlerinnen und Sammlern jeden Alters zeigen einmal mehr, wie zeitlos die Begeisterung für Fahrräder ist und wie verbindend die Sammelleidenschaft sein kann.
Durch seine Mitgliedschaft in unterschiedlichen Vereinen konnte Christian Horstmann sich ein Sammelnetzwerk aufbauen, auf dem seine Sammelstrategie beruht. Er kauft fast ausschließlich über vertraute Kontakte, die ihm die besten Fundstücke vermitteln können.
Während andere Sammlerinnen und Sammler jedoch weit mehr Fahrräder besitzen und ihre Sammlung stetig erweitern, beschränkt sich Herr Horstmann auf eine Anzahl von maximal 15 Rädern.
Da seine Sammlung im Keller gelagert wird, spielt dabei natürlich der begrenzte Platz eine Rolle, aber vor allem ist es ihm wichtig, in Maßen zu sammeln.
„Wenn einmal im Jahr ein neues Fahrrad in meine Sammlung kommt, bin ich sehr zufrieden.“
Bei jedem neuen Fahrrad stellt sich die Frage: Ist das wirklich schöner als die, die ich bereits besitze? Wenn nicht, dann braucht man es nicht zu kaufen – so das einfache Prinzip. Ein großer Vorteil dieser Einstellung liegt darin, dass der Wert und die Qualität der Sammlung mit jedem neuen Sammlerstück automatisch steigen.
Deutsches Fahrrad (Dürkopp Modell Kettenlos) von ca. 1925
Um aufwendige und teils wenig Erfolg bringende Restaurationsarbeiten zu umgehen, kauft Christian Horstmann Fahrräder, die bereits in möglichst gutem Originalzustand sind. Diesen konserviert er dann bestmöglich, indem er Rost entfernt, einen Ölfilm als weiteren Rostschutz aufträgt, und die Fahrräder säubert.
„Es soll auch blinken und blitzen wie es früher war.“
Aktuell interessiert sich Christian Horstmann besonders für Zubehör aus den 1920er und 1930er Jahren. Dabei handelt es sich um seltene Originalstücke, denn auch hier gilt: Die Objekte müssen es wert sein, in die Sammlung aufgenommen zu werden. Wenn diese „Anforderungen“ allerdings erfüllt sind, wartet ein besonderer Platz in einer von Christian Horstmanns Vitrinen, die er in seiner Wohnung aufgebaut hat. Zwar können nicht alle Fahrräder als Deko herhalten, eine Sammlung sollte aber dennoch präsentiert werden und nicht nur im Keller stehen.
Obwohl sich die Sammlung kontinuierlich verändert, gibt es ein Fahrrad, das Christian Horstmann „als letztes verkaufen“ würde. Es handelt sich dabei um ein englisches Fahrrad der Marke Humber, das um die Zeit des Ersten Weltkriegs gebaut wurde.
Englisches Fahrrad der Marke Humber von ca. 1912
Außerdem erzählt er mir von einem weiteren Fahrrad, welches er bis heute besitzt. Ein älterer Herr hatte während Christian Horstmanns Gesellenlehre ein neues Fahrrad gekauft und hatte für das alte keine Verwendung mehr. Dieses Mustang Damenrad war überraschenderweise in einem so guten Originalzustand, dass Herr Horstmann es seinem Chef abkaufte. Diese schöne Anekdote verbindet er mit dem Rad, welches ihn seither an den glücklichen Zufall erinnert.
Ein kleiner Ausflug in die Geschichte des Fahrrads: Dessen Anfangszeit war vor etwa 200 Jahren, als das Laufrad erfunden wurde. Während der bekannte Entwicklungsschritt zum Hochrad erst etwa 50 Jahre später um 1880 stattfand, wird eine wichtige Zwischenstufe oft vergessen: In den 1860er und 70er Jahren wurde ein Vorläufermodell – das sogenannte Velociped – gebaut. Dieses bestand vorwiegend aus Holz und besaß, im Gegensatz zum späteren Hochrad, zwei gleich große Räder. Den Durchbruch zum Hauptverkehrsmittel schaffte das Fahrrad dann gegen Ende des 19. Jahrhunderts, als die Fahrräder durch industrielle Fertigungen in den USA und Großbritannien auch für Familienhaushalte erschwinglich wurden. Zwar sind wir heute nicht mehr zwingend darauf angewiesen, jedoch ist das Fahrrad (nicht nur als Sammelobjekt) noch immer beliebt.
Überrascht hat mich Christian Horstmanns grundsätzliche Einstellung zur Sammlung: Es ist und bleibt auch eine Wertanlage, von der er sich irgendwann trennen wird. Doch momentan begeistert ihn sein Sammelhobby noch sehr, weshalb er weiter die Geschichten der Fahrräder einfängt und sich darum kümmert, dass diese möglichst lange weiterleben.
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