Comics

„Dass das jetzt so groß geworden ist, ist irgendwie automatisch passiert.“
— Thorsten Jokuff

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Faszinierende Comicwelten

Thorsten Jokuff

„Dass das jetzt so groß geworden ist, ist irgendwie automatisch passiert…“

…sagt Thorsten Jokuff, der seit seiner Kindheit von Comics fasziniert ist und mittlerweile ca. 4.500 Comichefte und –bücher besitzt. In den folgenden Abschnitten berichte ich, warum für Herrn Jokuff als Kind der Donnerstag ein Highlight war, welche Comics man seiner Meinung nach unbedingt lesen sollte und inwiefern auch in Sammlerkreisen ein eigener Fachjargon genutzt wird.

Ein Großteil seiner Sammlung besteht aus amerikanischen Comicheften, in denen auf DINA5 Format kurze Geschichten erzählt werden. Sein Interesse hat sich jedoch im Laufe der Jahre von den amerikanischen Comicheften hin zu franko-belgischen Graphic-Novels entwickelt.  Zudem besitzt er einige sogenannte Omnibus-Ausgaben, also Sammelbände einzelner Reihen, die mehrere Comic-Ausgaben enthalten. 

Passende Actionfiguren, einige Poster sowie Videospiele runden die Sammlung ab. Um hier den Überblick zu behalten, dokumentiert er den Bestand seiner Sammlung über eine spezielle Internetseite. Eine umfassende Dokumentation ist in Sammlerkreisen vor allem hilfreich, wenn auf Vollständigkeit gesammelt wird.

Den Anfang der Geschichte markiert das Jahr 1986, in dem Herr Jokuff als Kind sein erstes Micky Maus Heft geschenkt bekam. Der Donnerstag, an dem wöchentlich eine neue Ausgabe erschien, war ab diesem Moment ein Highlight. 

Zusätzlich zu den Micky Maus und Donald Duck Heften wurden mit der Zeit auch Superheldencomics interessant. In den alten Ausgaben seines Vaters spielten beispielsweise die „Grüne Leuchte“ alias Green Lantern oder der „Rote Blitz“, besser bekannt als The Flash, die Hauptrollen. Obwohl er, so berichtete er mir, zu Beginn seiner Comicleidenschaft noch gar nicht lesen konnte, waren die detaillierten Zeichnungen perfekt, um die Geschichten zu verstehen und von den spannenden Abenteuern gefesselt zu werden. Besonders faszinierend war nicht nur der Inhalt der Geschichten, sondern vor allem auch die Erzählweise der Comics. Neben der Dualität von Bild und Text spielte dabei auch das hohe Erzähltempo eine Rolle, welches die Spannung steigert. 

Das Interesse für Superhelden setzte sich auch als Jugendlicher fort. Im Jahr 1997 erschienen über den Dino-Verlag (später Panini) die ersten Hefte im amerikanischen Comicformat. Vor allem die X-Men begeisterten Herrn Jokuff, aber auch andere Superhelden wie Spider-Man und Batman gefielen ihm. 

Nach einigen Jahren weniger intensiven Sammelns wurde das Interesse wieder größer. Herr Jokuff abonnierte einige Comicreihen, erwarb Restbestände bereits vorhandener Sammlungen und baute so seine eigene Sammlung weiter aus. 

Sein Fokus liegt inzwischen jedoch nicht mehr auf Superheldencomics, sondern auf franko-belgischen Geschichten. 

Diese Veränderung im Laufe der Jahre habe damit zu tun, dass die momentan geschriebenen Geschichten oftmals keine neuen Erzählansätze mehr böten, da einige der Superhelden-Reihen mittlerweile Jahrzehnte alt sind. Ein weiterer Aspekt ist, dass sich seine Leserperspektive im Laufe der Jahre verändert hat. So nimmt man einige Handlungen als Kind deutlich intensiver und spannender wahr. Doch unabhängig vom Alter ist die Begeisterung fürs Sammeln geblieben:

„Das Sammeln macht für mich aus, dass ich immer wieder ans Regal gehen, das Heft herausnehmen und darin blättern kann“ 

Durch das Zusammenspiel von Bild und Text lesen sich Comics ganz anders als Bücher – die Texte werden viel intuitiver verarbeitet. Herr Jokuff erklärt, dass er aufgrund dieser Dualität sowohl Comics besitzt, in denen primär die Geschichten überzeugen, als auch solche, in denen vor allem die Zeichnungen herausstechen. Diese Tatsache zeigt, dass Comics auf verschiedenen Ebenen funktionieren und man auch beim Lesen den Fokus verändern kann (oder muss). 

Für Herrn Jokuff sind die Comics nicht einfach Teil einer „nerdigen“ Nische, sondern vielmehr ein spannender Bereich der Popkultur. Dazu gehört auch, sich beispielsweise auf Comic Cons (großen Comicmessen) mit anderen Sammlerinnen und Sammlern über Reihen auszutauschen und über Figuren zu fachsimpeln. Ein solcher Austausch lohnt sich auch in Onlineforen und Sammelbörsen, denn durch gute Kontakte kommt man automatisch an die besten Sammelobjekte zu den meist etwas günstigeren Preisen.

„Calvin und Hobbes“ lautet die sofortige Antwort auf meine Frage, ob es einen Lieblingscomic gibt. In dieser Comicreihe von Bill Waterson geht es um einen Jungen, dessen Plüschtiger in seiner Fantasie lebendig wird und mit dem er die Tücken des Aufwachsens erkundet und durchaus tiefsinnige Gespräche führen kann. Diese Reihe hat Herr Jokuff mit Mitte zwanzig entdeckt und besitzt mittlerweile beispielsweise eine dreibändige Schmucksammlerausgabe.

„Alles, was er [Bill Waterson] rausgebracht hat, ist einfach wunderschön“ 

Schnell stellt sich jedoch heraus, dass es ihm schwerfällt, nur eine Lieblingsreihe auszuwählen: Egal ob die Peanuts, die mit ihren philosophischen Gedankengängen zum Nachdenken anregen, oder die Walking Dead Reihe von Robert Kirkman, in der eine Zombie-Apokalypse die Erde bedroht. Egal ob die Reihe namens „Fabels“, in der es um Märchenfiguren geht, die aus ihren Welten verbannt werden, oder schlichtweg „alles, was mit Batman zu tun hat“ – Herrn Jokuffs Begeisterung für das breite Spektrum der Geschichten und für den Comic als Medium wird mir bei diesen Antworten nochmal besonders bewusst.

Man würde es vielleicht nicht vermuten, aber auch die Comicwelt hat ihre eigene Fachsprache.  Nach meinem Gespräch mit Herrn Jokuff bin ich in der Lage, Begriffe wie die amerikanische „splash-page“, „story archs“ und „runs“ zu erklären (Vielen Dank an dieser Stelle – man lernt nie aus ☺). Es wird also auch hier unter Expertinnen und Experten gefachsimpelt.

Das Gespräch mit Herrn Jokuff hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich habe beschlossen, den Comics auch ganz persönlich nochmal eine Chance zu geben, obwohl ich eigentlich eher ein Bücherwurm bin – genug Empfehlungen habe ich jetzt bekommen. 

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